Objekt des Monats Nr. 6: Weihnachtskrippe

Die Historische Sammlung präsentiert passend zur Adventszeit das sechste Objekt des Monats: eine Weihnachtskrippe. Dabei wird auf die Geschichte der Krippendarstellung und deren symbolische Bedeutung eingegangen.

 

Weihnachtskrippe, um 1900, aus Holz geschnitzt.

Weihnachtskrippe, um 1900, aus Holz geschnitzt.

Aus Holz geschnitzt

Die Krippe der Historischen Sammlung des Museum Aargau stammt aus Boswil und wurde um die Jahrhundertwende hergestellt. Der 25 cm hohe Stall und die Figuren sind aus Holz. Wir finden die typischen Krippenfiguren wieder: zwischen Maria und Josef das in der Futterkrippe liegende Jesuskind. Neben den drei Weisen sind ein Esel, ein Ochse und zwei Schafe vorhanden.

 

 

Vom einfach Futtertrog zur Geburtswiege Jesu

Die Weihnachtskrippe ist nicht mit einem Male entstanden, sie hat sich im Laufe der Jahrhunderte zu dem entwickelt, was sie heute ist und symbolisiert. Der Gedanke dahinter, die Geburt Christi zu repräsentieren, war von Anfang an präsent, die Darstellungen der Krippe und die verschiedenen Absichten der Krippenbauer haben sich aber stetig verändert.

 

Papst Liberius beschloss 354 die Geburt des Heilandes als eigenes Fest am 25. Dezember zu begehen (sie war bis anhin mit der Epiphaniasfeier am 6. Januar verbunden). Er erbaute dazu in Rom die Basilika Liberii (später S. Maria maggiore), die eigens dem Weihnachtskult dienen sollte. Darin zelebrierte der Papst die Weihnachtsmesse und stellte dazu eine Krippentroge auf. Die Krippentroge als Symbol der Geburt Jesu kannte man schon seit der Verehrung der Geburtshöhle in Bethlehem. Fortan stellte man am Weihnachtsfest auch in anderen Kirchen Krippen, d.h. Krippentroge, auf oder hinter den Altar.

 

Das Christkind in der Krippe zwischen Maria und Josef

Das Christkind in der Krippe zwischen Maria und Josef

Für die weitere Entwicklung der Weihnachtskrippe spielten die Mysterien eine zentrale Rolle. Mysterien sind die geistlichen Schauspiele und Riten, die in Mitteleuropa bereits im 9. Jahrhundert nachgewiesen wurden. Sie entstanden aus dem liturgischen Wechselgesang und entwickelten sich im Laufe der Zeit zu einem ausserliturgischen Bestandteil des Gottesdienstes. Sie wurden dazu gebraucht, dem Volk durch anschauliche Vorführung der heiligen Begebenheiten, die biblischen Texte näher zu bringen und den Glauben zu stärken. Als solches wurde dann im Laufe der Zeit auch die Geburt Christi nachgespielt, mit der Krippe im Zentrum (welche auch in Form einer Wiege oder eines Korbes dargestellt werden konnte). Die ältesten belegten sogenannten Weihnachtsspiele mit der Krippe gehen auf das 11. Jahrhundert zurück. Im Spiel von Orléans im 13. Jahrhundert waren Ochs und Esel bereits ein fester Bestandteil.

 

Die Weihnachtsfeier vom hl. Franciscus von Assisi als weitere Etappe

Irrtümlicherweise wird oftmals die berühmte Weihnachtsfeier vom hl Franciscus von Assisi im Jahre 1223, als er im Wald eine Krippe mit Heu aufstellt und Ochs und Esel hinführen lässt und dabei seine Predigt hält, als Ursprung der heute bekannten Weihnachtskrippe genannt. Sie ist aber nur ein weiteres solches Mysterium, also ein liturgisches Kirchenspiel, und daher eine Fortsetzung einer mittlerweile einige Jahrhunderte alten Tradition.

 

Symbol der Macht: das Jesuskind wird selbst von Königen beschenkt und angebetet. Traditionell werden die drei Könige erst am 6. Januar in die Krippe gestellt.

Symbol der Macht: das Jesuskind wird selbst von Königen beschenkt und angebetet. Traditionell werden die drei Könige erst am 6. Januar in die Krippe gestellt.

Erst viel später, das heisst ab dem 16. Jahrhundert, begann man die Weihnachtsgeschichte mit kleinen Figuren darzustellen. Die Jesuiten waren die wichtigsten Förderer der plastischen Krippendarstellungen. Sie liessen prächtige Krippen herstellen, welche sie in ganz Europa zeigten und sie verbreiteten sich rasch in den Kirchen des gesamten katholischen Europas. Im Zuge der Gegenreformation benutzten die Jesuiten die Krippen zur religiösen Unterweisung und Reanimierung der katholischen Volksfrömmigkeit. Die Leute sprachen auf diese sinnliche Darstellung der Geburt Jesu an, gleichzeitig widersprachen die Krippen durch ihren bildhaften Charakter den reformatorischen Grundsätzen.

 

 

Von den Kirchen weg in die Privathaushalte

Jahrhundertelang waren Krippen ausschliesslich in Kirchen und Klöstern anzutreffen. Während der Aufklärung wurden viele Krippen aus den Gotteshäusern entfernt. Da die Bevölkerung aber weiterhin sehr an diesem Brauchtum hing, fand die Weihnachtskrippe in dieser Zeit Einzug in die Privathaushalte – zuerst in Adels- und Patrizierhäusern, später auch in den übrigen Bevölkerungsschichten. Diese Entwicklung der öffentlichen hin zur privaten Weihnachtskrippe förderte auch das Handwerk des Krippenbauers in waldreichen Regionen wie zum Beispiel Böhmen.

 

Das rege Interesse der Bevölkerung und die sich stetig entwickelnde Krippenbauerkunst führten dazu, dass man im 18. und 19. Jahrhundert begann, sogenannte Ganzjahreskrippen herzustellen. Die berühmteste davon mit etwa 4000 Figuren kann man im Krippenmuseum von Brixen bewundern.

 

Krippen erzählen immer auch ein Stück Lokal- und Zeitgeschichte. So wurden zum Beispiel in der Zeit des 1. Weltkrieges Soldaten zur Krippe hinzugefügt und die christlichen Japaner ersetzten die drei Weisen durch Samurais.

 

Um die Jahrhundertwende nahm das Interesse an Weihnachtskrippen stark ab – sie mussten ihren zentralen Platz in der Feier des Weihnachtsfestes dem aufkommenden Christbaum überlassen.

 

Das Museum Aargau wünscht Ihnen mit diesem weihnachtlichen Objekt frohe Festtage und einen guten Start in das neue Jahr!

 

Maël Roumois, Praktikant Historische Sammlung