Objekt des Monats Nr. 53: Backen im Mini-Format: Modell einer Teigknetmaschine „Artofex“

Um ein besonders hübsches, geradezu niedliches Objekt in der umfangreichen Sammlung des Museums Aargau handelt es sich bei einem handlichen Modell einer Knetmaschine. Das Objekt ist zugleich eng mit der Geschichte eines bedeutenden und führenden Aargauer Industrieunternehmens im 20. Jahrhundert verbunden.

 

Die türkise Mini-Knetmaschine

Die kleine, türkis-beschichtete Knetmaschine aus Metall stellt ein Modell seiner grösseren Verwandten aus der bekannten Artofex-Serie der Firma F. Aeschbach AG dar. Das weniger als 20cm grosse, auf eine Holzplatte geschraubte Modell ist funktionstauglich und kann mit einem Handrad bedient werden. Es wurde von Verkäufern der F. Aeschbach AG bis in die 1980er-Jahre verwendet, um den Kunden die Knetmaschinen des Betriebes demonstrieren zu können. Zum Transport wurde es in ein aus braunem Leder gefertigtes und mit grünem Filz ausstaffiertes Köfferchen geschlossen, das zusammen mit dem Modell Eingang in die Museumssammlung gefunden hat.

 

 

 

 

 

 

 

 

Das Modell der Teigknetmaschine Artofex (Inv. K-18213.1)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Aeschbach AG: Maschinen und Back-Innovation aus dem Aargau

1888 eröffnete der aus Reinach stammende Sohn eines Schlossers Friedrich Aeschbach (1856 -1936), der am Technikum Winterthur Maschinentechnik studiert hatte, in Aarau eine Maschinenbauwerkstatt. Sieben Jahre später kaufte Aeschbach 1895 eine Fabrikliegenschaft im Torfeld Süd, hinter den Bahnlinien des Bahnhofs Aarau. Einen entscheidenden Erfolg feierte das Unternehmen 1904 mit der Konstruktion der Knetmaschine „Artofex“. Die Maschine verkaufte sich in aller Welt. Es folgten weitere Spezialmaschinen für das Bäckerei- und Konditoreigewerbe, zu dessen Mechanisierung die Aeschbach einen massgeblichen Beitrag leistete. Die Firma wuchs rasant an, gründete gar Filialen im Ausland, u.a. in Paris und London, und wurde 1916 schliesslich in die F. Aeschbach AG umgewandelt. In den 1930er-Jahren zählte das Unternehmen, welches nun auch Backöfen produzierte, bis zu 350 Mitarbeiter.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Werbung für das „Artofex“-System, um 1910 (Quelle: Museum f. aarg. Tabak- u. Zigarren-Industrie, PF 19, 5734 Reinach/Archiv Aeschbach)

 

 

 

 

Von der Fabrik ins Museum

Das Museum Aargau erhielt das Objekt 2007 als Schenkung von einem ehemaligen Mitarbeiter der F. Aeschbach AG. Als anschauliches Kuriosum aus der Firmengeschichte der durch das Artofex-Label einst weltweit bekannten F. Aeschbach AG steht es exemplarisch für die historische Aargauer Industriekultur. Neben Aeschbach prägten benachbarte Unternehmen wie die Firma Sprecher & Schuh den Industriestandort.

Im Zuge der De-Industrialisierungswelle in den 1980er-Jahren ging auch die Zeit der F. Aeschbach AG zu Ende. 1988 wurden das Unternehmen und dessen Liegenschaften verkauft, die Produktion von Maschinen wurde bald eingestellt, die Immobilien für unterschiedliche Zwecke verwendet. In den letzten Jahren bemüht sich die Stadt Aarau, das ehemalige Industriegebiet Torfeld Süd in ein Wohn- und Freizeitquartier umzuwandeln; in den ehemaligen Fabrikhallen der F. Aeschbach AG finden nun Gastronomie- und Kulturevents statt.

 

 

 

 

 

 

 

Plakat der Firma Gautschi, Hauri & Co., Reinach (Quelle: TABAGO 2002)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Michael Brunner, MA, Praktikant Sammlung (Recherche und Text)