Objekt des Monats Nr. 52: Ein Erinnerungsstück der Sonderklasse: Das Fotoalbum von Hugo Remund

In der Schatzkammer des Museum Aargau wird ein aussergewöhnliches Objekt aufbewahrt, dessen Bedeutung weit über die Kantonsgrenzen hinausreicht. Es handelt sich um ein Fotoalbum von Hugo Remund (1880-1970), einem hochrangigen Militäroffizier aus Lenzburg und Chefarzt des Schweizerischen Roten Kreuzes (SRK).

 

Das Fotoalbum „Militärdienst und Rotes Kreuz I“

Die Albumseiten werden von zwei Kartondeckel und einem Buchrücken aus grünem Leder eingefasst. Auf dem vorderen Buchdeckel steht handgeschrieben: „Militärdienst und Rotes Kreuz I“. Die Seiten des Albums enthalten lückenlos Fotos, die mit Eckenhaltern eingefasst sind. Die Dokumentation beginnt 1908 mit Aufnahmen aus Remunds Rekrutenschule in Basel und endet 1946 mit der Rotkreuz-Konferenz in Oxford. Darin enthalten sind auch mehrere Fotos von General Guisan (1874-1960), dem Oberbefehlshaber der Schweizer Armee während des Zweiten Weltkrieges (1939-1945). Das Fotoalbum von Hugo Remund erlaubt also einzigartige Einblicke in die innersten Personenzirkel des Militärs und des SRK.

 

© Museum Aargau

 

 

                                                              Eine Schenkung von Remunds Familie

Hugo Remunds Dienstbüchlein (K-18075) ©Museum Aargau

Die Sammlung Museum Aargau erhielt das bedeutende Objekt zur Militärgeschichte und zur Geschichte der humanitären Hile der Schweiz im Jahr 2006 von Remunds Sohn Urs geschenkt. Urs Remund vertraute der kantonalen Sammlung bereits zuvor zahlreiche weitere Objekte an. Zu seinen herausragenden Schenkungen im Bereich Militaria gehört neben Waffenröcken, einem Offiziersdegen und Militärhüten etwa auch das Dienstbüchlein von Hugo Remund. Durch die minutiöse Auflistung seiner Einsätze zwischen 1907 und 1950 lässt sich seine Militärkarriere genau rekonstruieren. Der studierte Mediziner war Oberst im Sanitätsdienst und wurde im April 1941 vom Bundesrat zum Chefarzt des SRK gewählt. In dieser Funktion übernahm er im Januar 1942 das Präsidium der neu geschaffenen Kinderhilfe des SRK. Diese verantwortungsvollen Posten trat er in                                                                einer schwierigen und turbulenten Zeit an, als die                                                                Schweiz gänzlich von den Achsenmächten umringt                                                              war.

 

Ein Lenzburger als SRK-Chefarzt

Das Fundament für Hugo Remunds Karriere legte er in Lenzburg, wo er zusammen mit seiner Familie in der Oberen Mühle aufwuchs. Nach absolvierter Matura an der Alten Kantonsschule Aarau liess er sich an den Universitäten von Rom, Wien, Genf und Zürich zum Arzt ausbilden. Der zweite Wohnsitz von Remund in Lenzburg war das „Steinbrüchli“ beim Kronenplatz, von wo ein Fussweg bis zum Schloss führt. Neben seiner Tätigkeit als Arzt war er von 1931 bis 1957 Privatdozent an der Universität Zürich. Die Kinderhilfe des SRK trug dazu bei, dass die Not kriegsgeschädigter Kinder durch Mahlzeiten, Medikamente, Kleider und Hilfspakete gelindert wurde. Tausende Kinder erhielten die Gelegenheit, in der Schweiz einen Erholungsurlaub zu verbringen. Die humanitäre Hilfe der Schweiz sollte ausserdem nach dem Zweiten Weltkrieg zu einer Überwindung der aussenpolitischen Isolation des Landes beitragen.

 

Hugo Remund (stehend) an einer Konferenz des Roten Kreuzes in Genf 1941 (aus dem Album K-18074) ©Museum Aargau

 

 

MA UNIBE Jean-Luc Rickenbacher, Praktikant Historische Sammlung Museum Aargau (Recherche, Bildbearbeitung und Text), Inv. Nr. K-18074