Objekt des Monats Nr. 47: Eine Comicfigur zum Anfassen: Die Papa-Moll-Urpuppe

„Papa Moll“ gehört wie die Toblerone, Globi und das Rütli zum unumstrittenen Kulturgut der Deutschschweiz. Die Schenkung der „Urpuppe“ im Februar 2018 an die Historische Sammlung Museum Aargau löste einen regelrechten Besucheransturm im Sammlungszentrum Egliswil aus, in dem rund 30’000 Objekte zu bestaunen sind.

 

Eine Holzpuppe aus den 1950er Jahren

Die hölzerne Urpuppe von Papa Moll ist auf einem quaderförmigen Holzsockel in einer sitzenden Position platziert. Seine aus Filz gefertigte Kleidung ist farblich identisch mit ihrer Darstellung in den Comicbändern:

Die Papa-Moll-Urpuppe

Schwarze Hosen und Krawatte, weisses Hemd, rotes Gilet und blaue Jacke. Der Hohlraum im Kopf, der durch das Einführen des Zeigefingers bewegt werden kann, ist mit Baumwolle gefüllt. Beim hölzernen Kopf ragen die Nase und die zwei Ohren heraus. Der Mund ist als schlichte schwarze Schnur aufgeklebt und die zwei Augen schwarz/weiss auf einem dünnen Papier aufgemalt. Die beiden Augenbrauen, der typische Schnurrbart und der Haarbüschel fehlen im aktuellen Zustand. Eine handgeschriebene, mehrseitige Bedienungsanleitung der uns namentlich nicht überlieferten englischen Puppenmacherin legt nahe, dass die Puppe zur beliebten Comicfigur in den 1950er-Jahren in Grossbritannien kreiert wurde.

 

 

Eine Schenkung zweier Kinder von Edith Oppenheim-Jonas

Das bedeutende Objekt zur Kulturgeschichte des Kantons Aargau und der Schweiz wurde der Historischen Sammlung im Februar 2018 anlässlich einer öffentlichen Führung durchs Sammlungszentrum Egliswil übergeben. Die Donatoren sind Joan Fuchs-Oppenheim und Roy Oppenheim, zwei der insgesamt drei Kinder von Edith Oppenheim-Jonas (1907-2001). Die begabte Zeichnerin erschuf die Papa-Moll-Figur im Auftrag der Schweizer Stiftung „Pro Juventute“ in den 1950er Jahren. Es waren in der Schweiz die Jahre des Kampfes gegen „Schmutz und Schund“ in der Kinderliteratur, in dem sich „Pro Juventute“ aktiv beteiligte. Als besonders verwerflich galten damals die amerikanischen Comic-Strips mit den Texten in Sprechblasen. Die ungewöhnlichen Helden und Abenteuergeschichten aus Übersee überschwemmten damals die Schweiz und schienen die überlieferten Werte zu gefährden. Papa Moll mit den Episoden aus dem Alltagsleben einer bürgerlichen Familie und den Gedichten in Versform war als Gegenentwurf dazu konzipiert worden. Hinter dem guten Vater und Ehemann, welcher Papa Moll verkörpern sollte, verbirgt sich also durchaus ein pädagogisches Konzept. Beabsichtigt war jedoch keinesfalls die Propagierung eines patriarchalischen Systems, galt Edith Oppenheim-Jonas doch als leidenschaftliche Kämpferin für die Sache der Frau.

 

Edith Oppenheim-Jonas mit der Urpuppe und dem ersten Papa-Moll-Band in Buchform, Hug Verlag, 1967. (K-22497)

 

 

Eine Unterhaltung für Jung und Alt

Weite Verbreitung erfuhren Papa Moll und seine Familie durch die Kinderzeitschrift „JUNIOR“, in der 1953 erstmals eine Kurzgeschichte erschien. Seither heben Papa Moll, seine drei kecken Kinder Evi, Fritz und Willy, Mama Moll und der freche Dackel Tschipsy die Stimmung in Schweizer Haushalten während so manchen verregneten Tagen. Daneben zeichnete Edith Oppenheim-Jonas für zahlreiche weitere Zeitungen und Zeitschriften, so etwa Karikaturen für den „Nebelspalter“. Ende der 1960er Jahre beschloss der Hug-Verlag, die gesammelten Abenteuer von Papa Moll in Buchform herauszugeben. 1974 erwarb der „Globi-Verlag“ die Buchrechte an „Papa Moll“. Heute sind seine Geschichten mit den Bildern und den Versen international bekannt. Gekrönt wurde der Erfolg im Jahr 2017 mit dem Erscheinen des Spielfilms „Papa Moll und die Entführung des fliegenden Hundes“, der sich in den Deutschschweizer Kinos grosser Beliebtheit erfreute. Die Papa-Moll-Urpuppe ist noch bis Saisonende am 31. Oktober in der Kabinettausstellung oberhalb des Cafés im Schloss Lenzburg zu sehen.

 

Das Plakat zum Spielfilm (Quelle: Kitag)

 

MA UNIBE Jean-Luc Rickenbacher, Praktikant Historische Sammlung Museum Aargau (Recherche, Bildbearbeitung und Text), Inv. Nr. K-22496