Objekt des Monats Nr. 46: Spitzentechnologie aus Aarau: Die zentrale Mess – und Registrierstation der LESA

 

 

Der Kanton Aargau spielte in einzelnen Forschungsdisziplinen international eine führende Rolle. Diese wird im Bereich der Luftelektrizität durch ein einzigartiges Objekt bezeugt, das kürzlich in die Historische Sammlung Museum Aargau Eingang fand.

 

 

Das Kernstück der Luftelektrischen Station Aarau

Die zentrale Mess- und Registrierstation (189 cm x 68 cm x 44 cm) von 1963/64 besteht aus einem Metallgestell, in das neun Messgeräte eingeschoben sind. Die einzelnen Einschübe dienten beispielsweise der Messung der Raumladung, der Leitfähigkeit der Luft und der Feldstärke. Für die Ermittlung der Messdaten war dieses Kernstück über wetterfeste Vielfachkabel mit etwa einem Dutzend Sensoren verbunden. Diese befanden sich im Freien und waren zum Teil sehr komplex. Einer davon war mit einem radioaktiven Präparat Americium 241 versehen. Die Messgeräte waren äusserst zuverlässig und zählten zu den empfindlichsten Geräten, welche mit der damaligen Technologie gebaut werden konnten.

 

 

  

Die Luftelektrische Station Aarau (LESA)

Die Luftelektrische Station Aarau (LESA) wurde von Dr. Leonhard Saxer und Dr. Werner Sigrist anlässlich des Internationalen Geophysikalischen Jahres (01.07.1957 – 31.12.1958) gegründet. Beide waren an der Kantonsschule Aarau (heute „Alte Kantonsschule Aarau“) als Physiklehrer angestellt. Die Messstation befand sich anfänglich bei der Kantonsschul-Sternwarte auf dem Hauptgebäude, später wurde sie auf das Dach des um 1970 errichteten Neubaus (heute „Paul-Karrer-Haus“) verlegt. Die Messgeräte für luftelektrische Grössen aus Aarauer Fabrikation hatten international einen hervorragenden Ruf. Sie kamen etwa in Norwegen, Kanada, Polen, Griechenland und Israel zum Einsatz. Die Kantonsschule Aarau brachte demnach nicht nur bekannte Absolventen wie die Nobelpreisträger Albert Einstein, den Chemiker Paul Karrer und den Mikrobiologen Werner Arber hervor, sondern sorgte auch selber mit bedeutenden Beiträgen zur Forschung weltweit für Aufsehen. Die LESA beteiligte sich zudem an diversen nationalen Projekten im Umweltbereich und im Kanton Aargau u. a. beim Messen der Luftbelastung.

 

Dr. Leonhard Saxer in der LESA um 1960

 

 

Eine bedeutende Schenkung von zwei Umweltphysikern

Die Historische Sammlung Museum Aargau erhielt das bedeutende Objekt zur Technik- und Wissenschaftsgeschichte im Frühjahr 2018 von zwei Umweltphysikern geschenkt. Bei den Donatoren handelt es sich um den emeritierten Professor für Atmosphärenphysik Dr. Hans Richner von der ETH und den an der Aarauer Kantonsschule als Physiklehrer tätig gewesenen Dr. Erich Fischer, welcher die LESA von 1984 bis 2001 leitete. Letzterer hatte die LESA nicht nur auf den neuesten technischen Stand gebracht, sondern auch die zentrale Mess- und Registrierstation nach dem Einstellen ihres Betriebs vor dem Verschrotten gerettet und Dr. Hans Richner übergeben. Die von Dr. Fischer in den 1980er Jahren eingeführten technischen Neuerungen brachten zahlreiche praktische Vorteile im Zusammenhang mit dem Betrieb der LESA mit sich. Der Arbeitsaufwand der Sekretärin für die Erfassung und Verarbeitung sämtlicher Messdaten sank von mehreren Stunden auf wenige Minuten. Der Unterhalt der LESA wurde während ihres Bestehens in erster Linie durch den Kanton Aargau finanziert. Mit der Schenkung ihres Kernstücks an die Historische Sammlung gelangte sie schliesslich wieder in Besitz des Kantons zurück.

 

Sonden der Messapparate der LESA auf dem Dach des „Paul-Karrer-Hauses“

 

MA UNIBE Jean-Luc Rickenbacher, Praktikant Historische Sammlung Museum Aargau (Recherche, Bildbearbeitung und Text), Inv. Nr. K-22536