Objekt des Monats Nr. 41: Ein Radiomöbel von Ströbel AG

Radiomöbel vereinigen zwei nützliche Funktionen in einem Gegenstand: Sie werten den Wohnraum dekorativ auf und gleichzeitig kann mit ihnen Radio gehört oder Schallplatten abgespielt werden. Die Möbel aus aargauischer Fabrikation haben die Schweizer Wohnkultur des 20. Jahrhunderts mitgeprägt.

 

Das „Mod. 2220 Radio Grammo“
Das auf einem Sockel stehende Radiomöbel (88 cm x 96 cm x 43 cm) aus dem Jahr 1954 wird seitlich von zwei Flügeltüren eingefasst. Die Front ist im unteren Bereich aufklappbar. Dahinter befindet sich eine Ablage für einen Plattenspieler. Unterhalb hat es einen Lautsprechersatz, geziert mit einem Messinggitter und einer Textileinlage. Über der Ablage befindet sich eine Klappe mit einem Radioeinbau des Modells SABA „Bodensee Export W“. Die Front ist aus Nussbaumholz gestaltet und teilweise mit Pyramidenfurnier gebeizt. Die seitlichen Elemente bestehen stellenweise aus Abachi-Holz. Die abgerundeten, furnierten Oberflächen wurden durch eine Vakuum-Furnierpresse hergestellt.

 

 

Die historische Relevanz der Aargauer Möbel
Das vom Innenarchitekten Adolf Suter entworfene Radiomöbel gelangte 2013 durch einen Ankauf aus einem Zürcher Brockenhaus in die kantonale Sammlung des Aargaus. Möbel gehören zu einer der wichtigsten Abteilungen der Historischen Sammlung. In ihr befinden sich nicht nur Bugholzstühle von Albert Stoll (heute Giroflex), eine Holzvitrine von Fäs & Müller und ein ausziehbarer Esstisch von Nyffeler & Jordi, sondern auch ein privates Exemplar eines Pavatexschranks aus dem Besitz von Kurt Thut. Dieser thematische Schwerpunkt innerhalb der Industriegeschichte ist umso mehr gerechtfertigt, weil der Aargau die Schweizer Wohnkultur im 20. Jahrhundert massgeblich mitgeprägt hat. Die Möbelfabrik Simmen & Co. aus Brugg gewann beispielsweise 1914 an der Landesausstellung in Bern den 1. Preis für ihre Möbel. Diese Preisverleihung trug dazu bei, dass sie ein Sitzungszimmer im Landsitz Lohn mit ihren Produkten einrichten durfte. Seit Mitte des 20. Jahrhunderts empfing der Bundesrat dort zahlreiche Staatsoberhäupter. Zu den Gästen gehörten etwa Winston Churchill, François Mitterrand und der polnische Staatspräsident Lech Walesa.

Der Landsitz Lohn in Kehrsatz

 

Die Möbelfabrik aus Frick
Als Kompetenzzentrum für die kantonale Industriegeschichte ist es für die Historische Sammlung von grösster Wichtigkeit, Objekte von Möbelfabriken zu akquirieren, die ihren Produktionsort im Aargau haben. Wie die Herstellerin des „Mod. 2200 Radio Grammo“, die Ströbel AG, welche 1932 von Jakob Ströbel in Frick gegründet wurde. Seither machte sie sich einen Namen mit der Herstellung von Schreibtischen, Kombischränken und Holzbüffets. Das Fabrikgebäude konnte in den Jahren 1944 und 1948 erweitert werden.

Ursprünglich befand sich im Radiomöbel „Mod. 2220 Radio Grammo“ übrigens ein Plattenspieler des Modells „Dual 1019“; dieser wurde später entfernt. Das „Objekt des Monats“ kostete zum Zeitpunkt seiner Herstellung 525 Franken, was heute einem Preis von über 2’000 Franken entspricht. Gute Qualität hatte seinen Preis, dafür hielt das sorgfältig gefertigte Möbel auch ein Leben lang.

 

MA UNIBE Jean-Luc Rickenbacher, Praktikant Historische Sammlung Museum Aargau (Recherche, Bildbearbeitung und Text), Inv. Nr. K-19304