Objekt des Monats Nr. 40: Die Schreibmaschine SWISSA Junior von August Birchermeier’s Söhne

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts spielten Schreibmaschinen als Instrument für die Textverarbeitung eine immer wichtigere Rolle. In der Schweiz und im Kanton Aargau wurde diese Entwicklung von der Schreibmaschinenfabrik August Birchmeier’s Söhne entscheidend mitgeprägt. Ein von ihr hergestelltes Produkt ist das aktuelle „Objekt des Monats“.

 

Die Schreibmaschine SWISSA junior

Das Metallgehäuse der in der Mitte der 1950er Jahre hergestellten Schreibmaschine (9 cm x 31 cm x 27 cm) mit gerundeten Ecken ist hellblau lackiert. Auf den runden, schwarzen Tasten sind die Buchstaben und Zeichen weiss beschriftet. Beidseits der Schreibwalze auf dem Wagen dient ein Knauf zum Einspannen des Papiers. Die abgeschrägte Abdeckung wird oberhalb der Tasten von einer Metallplakette „SWISSA“ in Reliefschrift geschmückt. Eine zweite metallene Plakette auf dem Papierhalter komplettiert den Markennamen mit dem Zusatz „junior“. Weil alle guten Dinge bekanntlich drei sind, ist die Firmensignatur und das Emblem – der Buchstabe „B“ inmitten eines vierblättrigen Kleeblatts sowie eine Armbrust – auf eine dritte Metallplakette auf der Rückseite genietet. Die Schreibmaschine ist durch einen hellbraunen Schutzkoffer vor Beschädigungen geschützt und konnte mit Hilfe eines Tragegriffs mühelos transportiert werden

 

 

 

Ein Objekt zur Aargauer Industriegeschichte

Die Historische Sammlung Museum Aargau erhielt die Schreibmaschine SWISSA junior im Jahr 2011 von einem Donator aus Thun. Weil sie von einer in Murgenthal angesiedelten Fabrik hergestellt wurde, ergänzt sie die Sammlung mit ihrem Schwerpunkt – die Aargauer Industriegeschichte – auf ideale Weise. 1908 gründete August Birchmeier die Stanzwerkzeugefabrik in Murgenthal. Nach seinem Tod 1922 führte seine Witwe die Werkstatt weiter und 1935 übernahmen schliesslich ihre Söhne den Betrieb: „August Birchmeier’s Söhne“ war geboren. Die Armbrust auf dem Firmenemblem verknüpft das Produkt nicht nur mit dem Tell-Mythos und steht symbolisch für die Schweizer Qualität, sondern verweist auch auf das Vorgängermodell der SWISSA junior. Dieses hiess „Patria“ und wurde 1944 vom bekannten Schweizer Architekten, Künstler, Hochschullehrer und späteren Nationalrat Max Bill (1908-1994) weiterentwickelt. Ihr Design inspirierte eine ganze Reihe von in Europa hergestellten Lizenzmaschinen.

 

 

 

 

 

 

Eine vielseitige Produkteentwicklung

Die „Patria“-Schreibmaschinen haben weiterhin eine nicht bis ins Detail geklärte Fabrikationsgeschichte. Es gilt jedoch als gesichert, dass das Modell auf den Deutschen Ingenieur Otto Haas zurückgeht. 1933 liess er es patentieren und 1936 wurde die Schreibmaschine auf der Basler Mustermesse vorgestellt. Das Ursprungsmodell wurde von der „A.G. für Schreibmaschinen-Fabrikation“ in Pieterlen hergestellt. Nach deren Konkurs 1938 ging die Lizenz an die französische Firma „Japi Frères“ über. In den 1940er Jahren nahmen die August Birchmeier’s Söhne die Produktion von „Patria“-Schreibmaschinen im Kanton Aargau in Murgenthal auf. Weitere Firmen in Europa liessen sich ebenfalls vom Schweizer Ursprungsmodell inspirieren, so stammt etwa die „Byron“ in Frankreich, die „Oliver“ in Grossbritannien, die „Voss privat“ in Deutschland und die „Amaya“ in Spanien von der Schweizer „Patria“ ab. 1950 wurde diese von der Firma August Birchmeier’s Söhne in SWISSA piccola umbenannt. Bei der SWISSA junior (Objekt des Monats) handelt es sich um das ab 1954 fabrizierte Nachfolgemodell. Auch wenn sich bei ihren Nachfolgerinnen SWISSA jeunesse und SWISSA junior4 das Design immer wieder gewechselt hat, blieb die Technik weitgehend gleich.

 

Schreibmaschinenfabrik / typewriter factory August Birchmeiers Söhne, Murgenthal, Kanton Aargau, Schweiz / Switzerland. Aus einer Bedienungsanleitung für die SWISSA piccola Schreibmaschine.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

MA UNIBE Jean-Luc Rickenbacher, Praktikant Historische Sammlung Museum Aargau (Recherche, Bildbearbeitung und Text), Inv. Nr. K-18683