Objekt des Monats Nr. 39: Die Bleistiftspitzmaschine Wyna von Injecta AG

Rote Spitzmaschine

Die Spitzmaschine Wyna (K-19083)

Mit einer breiten Palette an Geräten, von Küchenwaagen bis zu Nussknackern, war der Aargauer Traditionsbetrieb Injecta AG über Jahrzehnte in den meisten Schweizer Haushalten präsent. Der Blog „Objekt des Monats“ stellt einen Gegenstand vor, der seit 2012 im Sammlungszentrum Egliswil aufbewahrt wird.

 

Die Bleistiftspitzmaschine Wyna

 

Die zwischen 1936 und 1940 zu datierende und mit Druckguss hergestellte Spitzmaschine (12.6 cm x 21.5 cm x 10.5 cm) aus Stahl ist an den meisten Stellen rot lackiert. Sie entspricht dem Patent von 1936 und kann mittels zwei Löchern im Fuss auf eine Tischplatte angeschraubt werden.

 

Zum Einsetzen des Bleistifts wird die Spannvorrichtung mit einer Drehung gegen den Uhrzeigersinn geöffnet. Beim Loslassen des Rings erfolgt das Einspannen mittels Federdruck. Fünf verschiedene Anspitzwinkel können durch Drücken und Bewegen des Knopfes links eingestellt werden.

 

Der eigentliche Spitzvorgang, der durch eine Scheibe sichtbar ist, erfolgt mittels Andrücken der Messerscheibe an den Stift durch Betätigung der schwarzen Kurbel nach links. Die Späne fallen während des Spitzens in eine kleine Schublade, welche auf der Maschinenvorderseite geöffnet und geleert werden kann.

 

Die Aargauer Industriegeschichte als Sammlungsschwerpunkt

 

Graue Spitzmaschine

Die Wyna 2 (K-18163)

Nach der Liquidation der Injecta AG in Teufenthal 2011 konnte die Historische Sammlung die Bleistiftspitzmaschine im Jahr 2012 von einem ehemaligen Firmenmitarbeiter erwerben. Die Spitzmaschine ist für die Historische Sammlung von grosser Bedeutung, weil diese von einem hiesigen Traditionsbetrieb hergestellt wurde. Dieser Alltagsgegenstand dokumentiert die Aargauer Industriegeschichte optimal, welche einen Schwerpunkt der Historischen Sammlung Museum Aargau bildet. Mit umfangreichen Beständen zum Thema ist sie inzwischen das Kompetenzzentrum der Aargauer Industriekultur.

 

Die „Wyna“ war das zweite Spitzmaschinenmodell in der Eigenproduktepalette der Injecta AG, welche vom Gestalter Walter Helbling entwickelt wurde. Nachdem sie ins Sortiment der Firma Caran d’Ache Eingang fand, wurde 1940 ihr Nachfolgemodell „Wyna 2“ (K-18163) während eines halben Jahrhunderts zu einem Grosserfolg. In der ganzen Schweiz gab es wohl kaum ein Schulzimmer oder Büro, in welchem nicht eine dieser legendären Spitzmaschinen stand.

 

Die Injecta AG

 

Fotografie der Injecta-Fabrik in Teufenthal (K-18743)

Die Druckgiesserei Injecta AG startete im August 1921 ihren Betrieb mit 24 Mitarbeitern in Teufenthal. In der Fabrik kam erstmals das „Druckgussverfahren“ zur Anwendung, bei dem Schmelzgut mittels eines Zylinders schnell und unter hohem Druck in eine Metallform eingeschossen wird.

 

Internationale Bedeutung erlangten die Produkte der Injecta AG, weil sie wichtige Komponenten für die Elna-Nähmaschine, den Philips-Elektrorasierer, das Jura-Dampfbügeleisen und die BMW-Motorräder herstellte.

 

Den grössten Anteil der Produktion machten jedoch Einzelteile für die verschiedensten Sparten der Maschinenindustrie aus. Daneben stellte die Firma auch mehrere Eigenprodukte unter dem Markennamen „INCA“ her. Dazu gehören der 1925 patentierte Zähler für Textilmaschinen, eine Kreissäge, ein Kirschenentsteiner oder eine kleine Vase für eine einzelne Blume, die auch zum Injecta-Bestand im Sammlungszentrum Egliswil gehören.

 

Die Informationen zum Objekt stützen sich auf einen Artikel von Felix Ackermann: „Die Firma Injecta AG, Teufenthal (1921-2011) in der Historischen Sammlung des Museum Aargau. In: Argovia, Bd. 124 (2012), S. 45-99.“.

 

MA UNIBE Jean-Luc Rickenbacher, Praktikant Historische Sammlung Museum Aargau (Recherche, Bildbearbeitung und Text), Inv. Nr. K-19083