Objekt des Monats Nr. 38: Das Produkt einer alteingesessenen Lenzburger Ebenistenfamilie: Die Kommode von Hämmerli

Zahlreiche Objekte im Sammlungszentrum Egliswil dokumentieren die Kunsthandwerkstradition von Lenzburg, einem der wichtigsten Standorte von Museum Aargau. Die Blogreihe „Objekt des Monats“ präsentiert Ihnen diesen Monat eine Kommode, die von einem Mitglied der bekannten Ebenistenfamilie Hämmerli gefertigt wurde.

 

Holzkommode mit Messingmedaillons

 

Die Kommode mit einem rechteckigen Korpus (80,5 cm x 112,5 cm x 60 cm) steht auf sich nach unten verjüngenden, konischen Füssen. Zwischen den abgesetzten Stollen befinden sich auf horizontaler und auf vertikaler Ebene je drei Schubladen. Bei der Anfangs des 19. Jahrhunderts gefertigten Kommode wurden neben Nussbaumholz auch Buche, Birke, Zwetschge und Ahorn verwendet. Die schräg vorstehenden Eckstollen sind passig geschnitten, mehrfarbig filetiert und in gebeizter Buche umfriest. Das Objekt hat ein seitlich vorstehendes Kommodenblatt aus Birkenmaser mit gekehltem und gekröpftem Kantenprofil. An jeder Schublade ist ein Ziermedaillon mit einem Zugring aus Messing angebracht.

 

Ankauf aus einer privaten Möbelsammlung

 

Die Historische Sammlung Museum Aargau erwarb das Objekt zusammen mit einer weiteren Kommode im Jahr 2014 von einer privaten Möbelsammlung. Die beiden Hämmerli-Objekte sind für die kantonale Sammlung von besonderem Interesse, weil sie auf exemplarische Weise zeigen, wie die damaligen Lenzburger Ebenisten von einer Grundform aus unterschiedliche Varianten aus verschiedenen Hölzerarten anfertigten. Zudem werten sie den Bestand von Hämmerli-Möbel der Historischen Sammlung durch zwei kunsthandwerklich bedeutende Objekte auf. Sie gewähren einen Einblick in die alteingesessene Lenzburger Familie, in der das Wissen in einem bestimmten Handwerk während Jahrhunderten über Generationen hindurch weitergegeben wurde. Weil sich hinter dem Hersteller Samuel Hämmerli sowohl der Vater (1750-1820) als auch der Sohn (1778-1855) verbergen kann, ist der tatsächliche Produzent nicht eindeutig identifizierbar.

 

Die zweite Hämmerli-Kommode (K-19893)

 

Die Ebenistenfamilie Hämmerli aus Lenzburg

 

Als erstes im Städtchen nachgewiesenes Familienmitglied gilt „Matheus Hemmerlin“. In einem Burgermanual von Lenzburg finden sich zwei Eintragungen, wonach am 12. April 1637 „ein Schrynergsell pürtig von Bopffingen, so dritthalt Jahr zu Bern gearbeittet“ um das Burgrecht angehalten habe. In Lenzburg fanden die Schreiner und Tischmacher vor allem in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts ein gutes Einkommen. Damals setzten wohlhabende Lenzburger ihren Häusern barocke Fassaden vor oder liessen neue geräumige Bauten errichten. Gleichzeitig wurden auch die Interieurs reich ausgestattet. Samuel Hämmerli „der Ältere“ fertigte aus massivem Nussbaumholz die prächtigen Flügeltüren und das Sockelgetäfer für den Saal im Obergeschoss eines klassizistischen Baus an der Burghalde. Wahrscheinlich wurden dem Ebenisten auch Arbeiten bei der Errichtung des herrschaftlichen Baus von Gottlieb Hünerwadel anvertraut, von dem im letzten „Objekt des Monats“ die Rede war.

 

Samuel Hämmerli, der Jüngere

 

Wohnhaus der Ebenisten Hämmerli (Vater und Sohn) in der Aavorstadt

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

MA UNIBE Jean-Luc Rickenbacher, Praktikant Historische Sammlung Museum Aargau (Recherche, Bildbearbeitung und Text), Inv. Nr. K-19894