Objekt des Monats Nr. 35: Ein Schatz aus dem Alten Ägypten: Die Mumie „Scherit-Min“

Das Sammlungszentrum Egliswil bewahrt neben Gegenständen aus den letzten Jahrhunderten und der Gegenwart auch einzigartige Schätze aus längst vergangenen Zeiten auf. Die Mumie „Scherit-Min“ gewährt einen spannenden Einblick in das bewegte Leben eines Aargauers, der mit 23 Jahren sein Glück in Ägypten versuchte.

 

Ägyptische Mumie mit Sarkophag

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Das Objekt besteht aus einer Mumie und einem Holzsarg, der mit Stuck überzogen ist. Das in das Holz des Deckels eingekerbte Gesicht wird von einer pompösen Perücke umrahmt. Entlang der Beine sind Dekorationen in Form von Inschriften zu sehen, die Bitten um Opfergabe an verschiedene Götter enthalten. Beim dort abgebildeten Schakal handelt es sich um Anubis, den Bewacher der Totenstadt, der die Verstorbenen zum Gott des Jenseits Osiris geleitet. Der Boden im Innern des Sargs zeigt ebenfalls die Figur einer Göttin. In der Wanne des Sarkophags weilt noch immer die vor mehr als zwei Jahrtausenden zur Ruhe gebettete Mumie der „Scherit-Min“. Bei der „Tochter des Min“ handelt sich um eine zwischen 20 und 40 Jahren alte Person weiblichen Geschlechts, die höchstwahrscheinlich an einer Infektionskrankheit gestorben ist. Sie wuchs in der mittelägyptischen Stadt Achmim zur Zeit der Ptolemäerherrschaft (300-200 v. Chr.) auf. Bei der Mumifizierung wurde der Körper nach der Entnahme der Eingeweide einbalsamiert, mit Binden umwickelt und in den Sarg gelegt. Dieser Vorgang dauerte mehrere Wochen und wurde von zahlreichen Bestattungsriten begleitet.

 

Das Geschenk eines Aargauer Kaufmanns in Kairo

 

bircherDer Sarkophag und die Mumie erhielt das kantonale Antiquarium, die Vorgängerinstitution der Historischen Sammlung Museum Aargau, 1886 von dessen Ehrenmitglied André Bircher geschenkt. Im Alter von 23 Jahren reiste der mittellose, aus dem aargauischen Küttingen stammende Bircher nach Ägypten, wo er 1865 ein eigenes Import-Export-Geschäft in Kairo aufbaute. Er exportierte von dort aus Waren wie Gummi Arabicum, Wachs, Kaffee, Elfenbein und Straussenfedern nach Europa und häufte mit seiner Tätigkeit als Händler ein Vermögen an. Bircher begann zahlreiche Objekte (darunter Mumien) zu sammeln und sein Haus in der Altstadt von Kairo, ein kleiner Mamlukenpalast aus dem 14. Jahrhundert, glich bald einem kleinen Museum. Indem er 1884 den „Cercle Suisse“ in Kairo ins Leben rief, weist das „Objekt des Monats“ auf die existierenden Beziehungen zwischen der Schweiz und Ägypten hin. Ein weiterer Grund, weshalb dieses für die Historische Sammlung von grösster Bedeutung ist.

 

 

Zwischen Jenseits und Diesseits

 

Anhand der Mumie „Scherit-Min“ und des Sarkophags lässt sich die enge Zusammenarbeit der Historischen Sammlung mit anderen wissenschaftlichen Institutionen exemplarisch veranschaulichen. Im Jahr 2005 wurde der Holzsarg als Leihgabe dem Antikenmuseum in Basel übergeben, das im Besitz einer herausragenden Sammlung zur Kunst und Kultur des Mittelmeerraums ist. Für die naturwissenschaftliche Bestimmung des Alters der Objekte mittels Computertomographie war die Historische Sammlung auf die Mithilfe des Instituts für Teilchenphysik der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) in Zürich angewiesen. Nach der wissenschaftlichen Erforschung wurde der Holzsarg gereinigt und restauriert. Im April und Mai 2005 gewährte die Historische Sammlung der Öffentlichkeit in einer Werkstattschau „SCHERIT-MIN – Eine Mumie zwischen Jenseits und Diesseits“ Einblick in die aktuelle Forschung.

 

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MA UNIBE Jean-Luc Rickenbacher, Praktikant Historische Sammlung Museum Aargau (Recherche, Bildbearbeitung und Text), Inv. Nr. K-10352