Objekt des Monats Nr. 3: Kräuterbuch

Die Historische Sammlung des Museum Aargau verbirgt viele Schätze. Das dritte Objekt unserer Blog-Serie “Objekt des Monats” ist ein Kräuterbuch aus dem 16. Jahrhundert. Es ist sehr gut erhalten und eines der wichtigsten Werke seiner Art.

 

Ledereinband und Messingspangen

Das „Kreutterbuch“ ist in einem gepunzten Ledereinband mit diversen Ornamenten und Messingspangen. Es enthält zahlreiche Illustrationen (kolorierte Holzschnitte) und Dekorationen. Verlegt wurde es in Frankfurt am Main durch Sigmund Feyerabend, Peter Fischer und Heinrich Dacken.

 

Griechische Medizin als Grundlage

Die Grundlage dieses 1586 erschienen Werks bilden Pietro Andrea Mattiolis Commentarii in ses libros Pedacii Dioscoridis. Darin übersetzt und kommentiert er Schriften des griechischen Arztes Pedanions Dioscurides. Wie auf der Titelseite dieses Buches sichtbar, wurde es nach Mattiolis Tod „gemehret und verfertigt durch Ioachimum Camerarium“. 1586 hat der Arzt und Botaniker Joachim Camerarius der Jüngere (1534−1598) das Werk überarbeitet und publiziert und mit Abbildungen, die er aus dem Nachlass des Schweizer Arzt und Naturforscher Conrad Gesner (1516−1565) erworben hat, ergänzt.

 

Mattiolis und Camerarius' Kreutterbuch
Mattiolis und Camerarius‘ Kreutterbuch

 

Ein Arzt im Adelsstand

Der Italiener Pietro Andrea Mattioli (1501−1577) war Arzt und Botaniker. Er verbrachte seine Studien- und Lernzeit in Italien. Zuvor war er ab 1539 in der damals habsburgischen Grafschaft Görz in den Südalpen tätig, wo er sich viel Wissen über die Alpenflora aneignete. Von da aus wurde er vom deutschen König und späteren Kaiser Ferdinand I. nach Prag berufen und zum Leibarzt des Erzherzogs und späteren Kaisers Ferdinand II. ernannt. Er genoss am Hof hohes Ansehen und wurde 1562 durch seine habsburgischen Herren in den Adelsstand erhoben. 

 

Pietro Andrea Mattioli (1501−1577)
Pietro Andrea Mattioli (1501−1577)

 

Heilpflanzen zum Nachschlagen

Kräuterbücher waren zur damaligen Zeit sehr wichtige Nachschlagewerke. Sie enthalten oft viele Abbildungen zu Heilpflanzen und sonstigen Heilmitteln. Darin wird beschrieben, wie sich eine Pflanze auf den menschlichen Körper auswirkt, aber auch wie man sie züchten kann. Iin erster Linie waren es Fachbücher für Ärzte und Apotheker, die sich jedoch auch bei interessierten Laien grosser Beliebtheit erfreuten. 

 

Kolorierter Holzschnitt einer Pflanze aus dem Kräuterbuch
Kolorierter Holzschnitt einer Pflanze aus dem Kräuterbuch

 

Kräuterbücher als Bestseller

Vor allem mit der Erfindung des Buchdrucks waren Kräuterbücher, die reich illustriert und in der Landessprache (nicht Latein, der eigentlichen Sprache der Gelehrten und der Wissenschaft) geschrieben wurden, grosse Erfolge für den Verleger. Ein besonders erfolgreicher Autor war Mattioli: Camerarius‘ Ausgabe von seinem Werk ist eine von 60 verschiedenen die in mehreren Sprachen erschienen sind.

 

Maël Roumois, Praktikant Historische Sammlung (Recherche und Text)