Objekt des Monats Nr. 23: Exotischer Aargau – Schreibtisch aus Teakholz

Der Begriff „Teak“ lässt gerne die Gedanken gen Süden schweifen, wo in den unzähligen Buchten der Côte d’Azur viele mit diesem luxuriösen Material ausgestattete Yachten ankern. Ganz abwegig ist diese Assoziation keinesfalls, weil der dänische Schiffbau den Aargauer Adolf Suter inspirierte, für die J. Ströbel Möbelfabrik AG in Frick Möbel aus dem exotischen Teakholz – wie beispielsweise den hier präsentierten Schreibtisch aus dem Jahr 1959 – zu entwerfen.

 

Teak-Schreibtisch als Symbiose von Eleganz und Praktikabilität

 

K-18245.2eDie vier konisch geformten leicht nach Aussen geschwungenen Tischbeine aus massivem Teakholz tragen die furnierte Tischplatte mit Massivholzkante. Die Platte greift mit ihren abgerundeten Ecken und mit ihren geschweiften Breitseiten die fliessend-organische Formensprache der Beine auf. Rechterhand ist der von der Schreibfläche abgesetzte Schubladenkorpus platziert, dessen oberste Schublade das unverkennbare Markenzeichen der Firma Ströbel an sich trägt, nämlich den in zwei abgerundete Massivholzteile eingelegte Schlüsselkopf. Die Ausgestaltung der beiden Schubladengriffe spielt – gemäss den Angaben des Designers – auf die Form von Schiffssegel an. Den rückwärtigen Abschluss des eleganten Schreibtisches bildet die praktische aus zwei Regalflächen bestehende Nische für Bücher.

 

Adolf Suter und das Exotenholz

 

Dieser Schreibtisch, der unter dem Namen Modell 6011 geführt wurde, war Teil des Möbelprogramms Swiss-Teak bzw. Swiss-Form von Adolf Suter (23.11.1917-21.01.2010), welcher bis ins Jahr 1964 Designer und Betriebsleiter bei J. Ströbel Möbelfabrik AG war. Die Entwicklung ganzheitlicher Wohnserien hatte in der raumgestalterischen Philosophie von Suter einen sehr hohen Stellenwert, weil dadurch eine maximale Einheitlichkeit mit gleichzeitiger individueller Kombinationsmöglichkeit gewährleistet werden konnte. Mitunter ermöglichte dieses grundsätzliche Design-Prinzip, dass die Möbellinie Swiss-Teak im obersten Preissegment angesiedelt war (beispielsweise wurde das Modell 6011 für die damals exorbitante Summe von 690.00 CHF angepriesen). Neben dem hochwertigen Stil und der erstklassigen Handwerkskunst generierte das verwendete Teakholz einen Grossteil der Kosten.

 

K-18245.2bSuter war derart von der Wertigkeit seines erstmals im Jahr 1958 produzierten Möbelprogramms Swiss-Teak überzeugt, dass er damit 1959 das Kinderzimmer seines Sohnes einrichtete, woher auch der hier präsentierte Schreibtisch stammt. Nebenbei bemerkt sind Produkte dieser Serie heutzutage häufig in Auktionshäuser und in auf Retro-Design spezialisierten Boutiquen im Angebot.


Die Inspiration zur Verwendung von Teak in der Möbelproduktion erlebte Suter während seines Besuches der Möbelfachmesse in Kopenhagen. In Skandinavien und insbesondere in Dänemark existierte eine lange Tradition hinsichtlich der Konstruktion von Teak-Möbeln, deren Ursprung in der Weiterverwendung von Teakholzresten des Schiffbaus liegt. In dieser maritimen Branche wurde das Exotenholz wegen seiner Materialeigenschaften bevorzugt: Das Holz des in Süd- und Südostasien heimischen Teakbaums weist neben seiner Dauerhaftigkeit einen hohen Gehalt an Kautschuk und Ölen auf, was auf natürliche Weise das Material gegen Feuchtigkeit imprägniert und rutschsicher macht. Der Kautschukgehalt birgt jedoch die Schwierigkeit, das Holz zu verleimen, wofür Suter eigens eine Maschine und die Leimrezeptur optimierte.

 

K-18245.2fAufgrund der innovativen Verwendung vom in der Schweiz nicht erhältlichen Material, avancierte der Designer schweizweit zum ersten En gros-Importeur von Teakholz. Hierfür reiste er in regelmässigen Abständen per Flugzeug zu den europäischen Zentren des Holzhandels in Mailand, Cremona und Valencia, um die hölzerne Exotik in den Aargau zu importieren.

 

MA UZH Claudio Stefanutto, Praktikant Historische Sammlung (Recherche und Text)
Inv. Nr. des Objekts: K-18245.2