Objekt des Monats Nr. 14: Tee- und Kaffeeset

Diesen Monat stellt Ihnen die Historische Sammlung des Museum Aargau ein mehrteiliges Objekt vor, welches man durchaus noch heute in Haushalten und Salons antreffen kann. Das Tee- und Kaffeeset stammt aus den 1920er Jahren und wurde in Turgi durch die Metallwarenfabrik W. Straub-Egloff & Co. hergestellt.

 

Das fünfteilige Tee- und Kaffeeset aus vernickeltem Metall (K-19342)

Das fünfteilige Tee- und Kaffeeset aus vernickeltem Metall (K-19342)

Das fünfteilige Tee- und Kaffeeset besteht aus einer ovalen Platte mit leicht nach unten gewulsteten Rändern, Milch-, Kaffee-, Tee- und Rahmkanne und einem Zuckerbehälter. Die Gefässe haben runde, bauchige Körper und alle bis auf das Rahmkännchen weisen einen fein gearbeiteten Deckelknopf auf. Vergleichsobjekte aus dieser Zeit haben vielmals Griffe aus Holz – bei diesem Set sind sie ebenfalls aus demselben Metall wie die ganze Kanne. Die auf Hochglanz polierte Vernickelung erschwert eine genaue Materialbestimmung. Es könnte sich um einen Zinkdruckguss oder um Aluminium handeln.

 

 

Punze_DSC0001 - Kopie

Herstellerpunze der SETA, der Fabrikmarke der W. Straub-Egloff & Co.: ein „T“ in einem Kreuz.

Nickelwaren aus Turgi

Die W. Straub-Egloff & Co. geht aus einer Gründung der geschäftstüchtigen Familie Egloff vom Rohrdorfer Berg hervor. 1849 gründet Kastor Egloff in Rohrdorf (heute Niederrohrdorf) mit zwei seiner Söhne, Julius und August, die Castor Egloff & Cie., welche später zur Egloff & Co. AG, dann zur EGRO AG wird. Sein ältester Sohn Wilhelm assistiert seinerseits Johann Baptist Trost bei der Gründung der Metallwarenfabrik Trost & Cie. in Künten. Aus dieser wird später die Birchmeier & Cie., heute Birchmeier Sprühtechnik AG in Stetten. Wilhelm Egloff verlässt die Firma 1882 und fabriziert fortan in Zürich unter dem Namen W. Egloff & Co. Haushaltsartikel. Als ihm der Raum im Zürcher Sihlhölzli zu eng wird, baut er 1890 eine Fabrik in Turgi, welche in den ersten Jahren lediglich Haushaltartikel aus Blech herstellt, später auch Leuchten. An der Landesausstellung in Genf 1896 werden die ersten Nickelwaren der W. Egloff & Co. präsentiert und mit einer Goldmedaille ausgezeichnet.

 

1909 gründen Wilhelm Egloff und seine Geschäftspartner Albert Meierhofer und Hermann Gaiser mit Hilfe vom Turgemer Industriellen Edmund Bébié die Schweizerische Broncewarenfabrik AG Turgi, welche später vor allem unter dem Namen BAG Turgi europaweite Bekanntheit erlangen wird. Neben einer Giesserei besteht sie grösstenteils aus der Leuchtenproduktion der W. Egloff & Co. Diese wird aber nicht aufgelöst, sondern beschränkt sich wieder auf die Produktion von Haushaltsartikeln und geht im selben Jahr an den Schwiegersohn von Wilhelm Egloff, Walter Straub aus Baden, über und heisst fortan W. Straub-Egloff & Co. 1967 wird die W. Straub-Egloff & Co. als Tochtergesellschaft von der BAG Turgi übernommen, die Produktion stillgelegt und in eine Immobiliengesellschaft umgewandelt.

 

 

Katalog für Nickelwaren der W. Straub-Egloff & Co. aus dem Jahr 1928

Katalog für Nickelwaren der W. Straub-Egloff & Co. aus dem Jahr 1928

Herstellerpunze und Katalog als Hilfsmittel

Dieses Tee- und Kaffeeset fand Eingang in die Historische Sammlung als Zeugnis der vielfältigen und interessanten Industriegeschichte des Kantons Aargau. Die Bedeutung der Familie Egloff für die Geschichte des Industriestandorts Baden und Region ist unverkennbar.

 

Die Kannen wurden Mitte 2013 auf einem Flohmarkt in Aarau angekauft. Die Herstellerpunze am Boden der Kannen (siehe Abbildung 2) ermöglichte eine erste Zuweisung. Anschliessend konnte mit Hilfe von Produktekatalogen der Firma die Herstellung datiert und die Kannen eindeutig der W. Staub-Egloff & Co. zugewiesen werden. Solche Kataloge sind im Zusammenhang mit dem Sammeln von industriegeschichtlichen Zeitzeugen von höchster Wichtigkeit: ermöglichen sie doch die sichere Zuweisung von Produkten einem Hersteller – dass eine Herstellerpunze auf dem Objekt ist, ist im Übrigen bei weitem nicht die Regel – und liefern Informationen über die Firma und ihre Produkte.

 

Maël Roumois, Praktikant Historische Sammlung (Recherche und Text)