Objekt des Monats Nr. 50: Die Leuchtreklame von Säuberli – Nachkriegsoptimismus und Tabakgenuss

Die Adventszeit ist die Zeit der Kerzen und Lichter, welche die zuweilen düsteren Tage stimmungsvoll erhellen. Ein Objekt der Historischen Sammlung erreicht mit seiner Neonschrift den gleichen positiven Effekt. Die Leuchtreklame der Zigarrenfabrik Säuberli in Teufenthal ist ein beredtes Zeugnis der aargauischen Tabakindustrie.

 

Eine Leuchtreklame aus den 1950er Jahren

Das Objekt (51 cm x 45 cm x 15 cm)

besteht grösstenteils aus gelb lackiertem Blech und wurde in den 1950er Jahren hergestellt. Die Wirkung des roten „Säuberli“-Schriftzugs kommt durch die vorgesetzten Neonröhren auf dem gelben Quadersockel zu voller Geltung. Die oval-gewellte Erhöhung enthält in der Mitte ein beschichtetes Glas mit dem Logo, welches alle Säuberli-Produkte ziert: Eine schräg verlaufende, brennende Zigarre vor einer Tabakpflanze. Weil es von der Leuchtreklame nur etwa eine Handvoll Exemplare gibt, ist das Objekt eine begehrte Rarität.

© Museum Aargau

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Zigarrenfabrik Säuberli in Teufenthal

Johann Jakob Säuberli (1839-1890)

Emil Säuberli (1866-1923) (K-22539 ©Museum Aargau)

gründete 1867 die Zigarrenfabrik „Säuberli“ und war mit Marianne Baur (1842-1924) aus Beinwil am See verheiratet. Ihr Vater hatte dort als Bäcker und Zigarrenfabrikant gearbeitet. Die nach dem Tod des Gründers von Emil Säuberli (1866-1923) und Otto Säuberli 1895 übernommene Zigarrenfabrik „Gebrüder Säuberli“ in Teufenthal konnte mit ihren Tabakprodukten grosse Erfolge erzielen. Sie nahm an drei Landesausstellungen (1914, 1939 und 1964) teil und gewann 1914 in Bern die Goldmedaille. Zu den Erzeugnissen von Säuberli gehörte eine breite Palette von Tabakprodukten. Grosser Beliebtheit erfreuten sich etwa die Zigaretten mit dem Namen „Divina“, die Zigarillos „Webstar Patent“ oder die Zigarren „Mexico“ und „Manifesto“. Die Säuberli-Leuchtreklame aus den 1950er Jahren versprühte Nachkriegsoptimismus und Freude am Tabakgenuss. 1964 wurde Säuberli an die Burger Söhne AG in Burg verkauft, das ehemalige Fabrikgebäude in Teufenthal brannte im Jahr 2008 ab.

 

Die Tabakindustrie im Aargau

Ein Pionier der Tabakindustrie war der Kleinbauer und Heimweber Samuel Weber (1785-1861) aus Menziken. Er sah sich nach einem neuen Erwerbszweig um und stellte 1838 in Menziken erstmals Pfeifentabak her. Nachdem die Baumwollbranche in die Krise geraten war, gab er den Anstoss für die Neuausrichtung der regionalen Industrie. Die Tabakverarbeitung hielt im Aargau Einzug und bot zahlreichen Arbeitskräften einen Erwerb. Ende des 19. Jahrhunderts hatte sich die Tabakverarbeitung zu einem der Hauptindustriezweige des Kantons entwickelt, insbesondere das Wynen- und Seetal war weitherum als „Stumpenland“ bekannt. 1853 wurde in Reinach „Gautschi & Hauri“ gegründet, später nahmen „Heinrich Hediger & Söhne“, „Burger Söhne“ und „Villiger“ die Produktion auf. Ins reichhaltige Tabakerbe der Region kann man in einer kleinen Ausstellung auf Schloss Hallwyl (Kornhaus) eintauchen. Während nur wenige der ursprünglichen Firmen überlebt haben, spielen „Villiger“ und „Burger/Dannemann“ im Tabakgeschäft bis heute weit vorne mit.

 

Plakat der Firma Gautschi, Hauri & Co., Reinach (Quelle: TABAGO 2002)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

MA UNIBE Jean-Luc Rickenbacher, Praktikant Historische Sammlung Museum Aargau (Recherche, Bildbearbeitung und Text), Inv. Nr. K-22439