Guta – zwischen Management und Gebet

In der Saison 2012 stellt das Museum Aargau die Geschichten von sechs Frauen vor. Eine dieser Frauen ist Guta von Bachenstein. Mit ihr erzählt das Museum Aargau in der Ausstellung im Kloster Königsfelden nicht nur die Geschichte des Klarissenklosters, sie führt in diesem Blog auch zurück zum Ursprung, zu Klara und Franz von Assisi, und zu Fragen nach der Bestimmung und dem Sinn des Lebens. Von Guta kennen wir mehr als nur den Namen, und dies, obwohl die Urkundenlage um 1318 nicht sehr ergiebig ist. Dank der Zusammenarbeit mit dem Lehrstuhl von Prof. Simon Teuscher an der Universität Zürich und der Dissertation von Claudia Modelmoog wissen wir heute über die Frühzeit des Klosters sehr viel mehr.

 

Eine Managerin vor 700 Jahren

Wir wissen: Bevor Guta von Bachenstein ins Kloster Königsfelden eingeschlossen wurde, lebte sie bereits in einem anderen Klarissenkloster in Söflingen bei Ulm. Wie es damals üblich war, wurde eine Anzahl Schwestern zur Gründung eines neuen Konvents abgezogen und in die Fremde geschickt. Mit dabei war auch ihre leibliche Schwester Benigna von Bachenstein.

 

Guta von Bachenstein wurde 1318 zur Äbtissin des Klarissenkonvents in Königsfelden gewählt und hatte das Amt bis 1324 inne. Damit wurde sie zur Managerin und Verwalterin eines riesigen Vermögens – das dem Konvent als Institution gehörte. Durch Königin Agnes von Ungarn, welche die Stiftung ihrer Mutter Elisabeth übernommen hatte, wurde das Kloster reich ausgestattet mit einem Klosterschatz mit mehr als 200 liturgischen Objekten, mit Geld und Landbesitz. Das alles galt es zu verwalten, die Zinsen einzutreiben; allerdings war sie auch für die Schweinemast, das Ausgeben von Käse an kranke Mitschwestern und die Überwinterung der Schafe zuständig. Und wenn nicht genügend Wein pro Tag für die Schwestern in den Fässern lagerte, war das ein Versäumnis der Äbtissin.

 

In den Händen von Jungfrauen reiner Gedanken

War das Kloster nur eine Verwaltungseinheit? Natürlich nicht – schon gar nicht das Kloster Königsfelden. Die Stifterin Elisabeth von Görz-Tirol hätte sich die ganze Mühe sonst sparen können! Das grösste und wichtigste Ziel der Nonnen und Mönche war das Beten von Jahrzeiten und das Gedenken an die verstorbenen Habsburger, die in der Gruft der Kirche ihre letzte Ruhestätte fanden. Man muss sich das so vorstellen: Wenig Schlaf, viel Gebet, unterbrochen von zwei Mahlzeiten und Arbeiten für die Nonnen innerhalb der Klausur. Gebete von Nonnen waren besonders geeignet, die fehlbaren Verstorbenen schneller aus dem Fegefeuer in die Erlösung des Himmels zu bringen. Denn sie waren Jungfrauen, mit einer reinen Seele und reinen Gedanken.

 

Aus freiem Wille ins Kloster?

Ob Guta von Bachenstein aus freiem Willen, Gott zu dienen, ins Kloster eintrat, wissen wir nicht. Vielleicht kamen sie und ihre Schwester wie viele Mädchen schon mit 7 Jahren nach Söflingen. Vielleicht konnte sich die Familie zwei weitere Mitgiften für eine Verheiratung nicht mehr leisten. Oder war es doch eine Berufung durch Gott?

 

Angela Dettling, Historikerin, Leiterin Geschichtsvermittlung