Frauengespräch in der Lagertaverne

Eine Taverne im Legionslager Vindonissa, 69 nach Christus. Hier arbeitet Belica, Tochter einer Helvetierfamilie, als Schankwirtin und unterhält sich mit Iulia, eine reisende ornatrix, eine Kosmetikerin und Friseurin, über das Leben der Frauen.

 

Die Kaiserin gibt den Trend vor

Belica: „Salve, Iulia! Was führt dich in unser Lager?“

 

Iulia: „Salve Belica! Die Frau des Legaten (Lagerkommandant) wollte die neueste Mode aus Rom kennenlernen. Hier in der Provinz verliert ihr ja wirklich den Anschluss! Daher habe ich ihrer Sklavin das Flechten und Stecken der neuesten Frisur der Kaiserin beigebracht und ihr gleich noch ein feines Duftöl verkauft. Hier, riech mal! Ein Gemisch aus campanischen Rosen mit einem Hauch arabischer Myrrhe.“

 

Belica: „Hmm! Sowas würde ich mir auch mal gerne leisten können. Ich rieche immer nur nach dem Feuer meines Herdes und nach Fischsauce. lachend: Damit fange ich keine Männer! Da, schau dir mal die drei Aufgedonnerten in der Ecke an. Für solch offenherzige Kleidung würde ich mich zwar schämen, aber die Düfte, mit denen sie immer wieder aufwarten, hätte ich auch gerne.“

 Römische Wirtin beim Legionärspfad

 

Legionärswitwen haben es schwer

Iulia: „Ich weiss was Du meinst. Sie können einem aber wirklich Leid tun, auch wenn sie vor allem von den Offizieren zum Teil sehr gut für ihre speziellen Dienste bezahlt und beschenkt werden.“

 

Belica: „Du hast recht. Zum Beispiel ist da eine Helvetierin, die drei Jahre als obsterix (Hebamme) gearbeitet hat, aber damit nicht genug verdiente, um ihre vier Kinder zu versorgen. Der Vater war ein miles gregarius, der vor drei Jahren bei der Eintreibung von Steuern von aufgebrachten Helvetiern ermordet wurde. Da macht es sich der römische Staat mal wieder einfach: Verbietet den Legionären zu heiraten und deren Witwen und Halbwaisen sollen dann selbst schauen wo sie bleiben! Dabei sind es ja gerade oft deren Söhne, die die nächste Soldatengeneration stellen. Naja, jedenfalls reichten ihr die Asse von hinten bis vorne nicht und so stellt sie ihre Kinder über ihre Ehre und preist sich zwischen den Sklavinnen den Betrunkenen an.“

 

Katzenleber schützt vor Nebenwirkungen

Iulia: „Man darf es ja gar nicht laut sagen, aber ich finde ihren Beruf gar nicht so unehrenhaft. Sie bezahlen genauso ihre Steuern wie ich auch und erleben sicher einige wilde Nächte, an denen wir auch mal unseren Spass hätten. Aber nein, wir sollen ja nur brav die Spindel drehen und tugendhaft Kleider bis über die Knöchel tragen.  Aber da muss sie ganz schön aufpassen, dass sie nicht bald noch mehr Mäuler zu stopfen hat!“

 

Belica: „Ach wo! Sie als obsterix kennt sich da ja bestens aus. Sie hat mir verraten, dass der beste Schutz davor ein Stück Katzenleber ist, die sie sich in einer Glasphiole um den linken Fussknochen bindet. Da die Frauen in diesem Metier sowieso gerne mit Fussschmuck locken, fällt es den Kerlen gar nicht mal auf. Aber erzähl mal, wie war`s bei der Legatsgattin?“

 

Die Legatsgattin lädt ein

Iulia: „Ach, der geht es natürlich hervorragend. In der riesigen Villa wimmelt es nur von Sklaven und sie liess mich erst einmal ein herrliches Bad nehmen und von einer Masseurin schön verwöhnen. Seit Tiberius den Frauen der Offiziere sogar noch einige Sesterzen als Entschädigung für das Leben in den ach so entbehrungsreichen Lagern am Ende der Welt gibt, läuft auch mein Geschäft viel besser. Sie feiert demnächst ein Fest und lädt dazu auch eine Bekannte von mir ein, Flavia aus Augusta Raurica, aber auch andere hohe Damen.

 

Dazu will sie sogar Musikerinnen spielen lassen! Das ist ja schon fast wie bei den Männergelagen. Aber sich wie diese Rüpel zum Essen auf die Liege legen, werden sich die Damen natürlich noch lange nicht.“

 

Römische Süssspeisen

 

Belica: „Darauf kannst du wetten! Frau hat ja sittsam zu sitzen. Stell dir mal vor, unsereins könnte feiern wie die Nobelmänner. Nach dem Essen schickten wir sie ins Bett und wir verlustieren uns mit hübschen Hispaniern!“

 

Iulia: Lacht: „Belica! Ich glaube dein steter Umgang mit den Legionären hier lässt dich noch vergessen wer Mars und wer Venus ist!“

 

Lachend trinken die Beiden den köstlichen Wein aus Gallien, der erst gestern in Belicas Taverne eingetroffen ist, und geniessen es, mal wieder mit einer unabhängigen Geschäftsfrau gleichen Standes zu plaudern.

 

Frauen im Legionslager Vindonissa

Wenn Sie noch mehr über Frauen im Legionslager Vindonissa und zu Zeiten des Antiken Roms erfahren wollen, dann besuchen Sie doch die Belica-Führung des Legionärspfades, dem Römer-Erlebnispark in Windisch, geführt von einer unserer Geschichtsvermittlerinnen oder entdecken Sie den Legionärspfad eigenständig mit dem Audio-Guide.

 

Audiotour auf dem Legionärspfad

 

 

Carsten Stark, Geschichtsvermittler Legionärspfad