Folter als Werkzeug

 

Vor Gericht mussten sich Frauen – auffallend häufiger als Männer – wegen dem Vorwurf der Beeinflussung von Fruchtbarkeit (meistens in Verbindung mit Hexerei), sexueller Übertretungen (Prostitution, blutschänderische Beziehungen, ‚Unzucht‘) und der Kindstötung, sei es durch einen künstlich eingeleiteten Abort oder der Tötung des Neugeborenen, verantworten. Die ausgesprochenen Strafen sollten natürlich eine abschreckende Wirkung haben. Um eine Angeklagte verurteilen zu können, brauchte es ein Geständnis.

 

Mittel der Wahrheitsfindung?

Auch wenn die Urteile im 16. und 17. Jh. im Berner Herrschaftsgebiet bereits in Bern vorgefasst worden waren (der Prozess vor Ort für die Urteilsfindung an sich also nicht relevant war), konnte man sich nicht einfach über ein unterlassenes Geständnis hinwegsetzen. Zum Zwecke der ‚Wahrheitsfindung‘ wurden beim Verhör im Vorfeld des Prozesses verschiedene Grade der Folter angewendet: Vom Zeigen der Geräte, bis hin zu deren Anwendungen in verschiedenen Stärken. Die meisten so traktierten Verhörten gestanden. Manche verstarben auch an den Folgen der Behandlung. Es gab zwar immer wieder Stimmen gegen die Folter und der aus ihr gewonnenen ‚Wahrheiten‘, aber eine wirkliche Abkehr von dieser Praxis im Justizwesen der heutigen Schweiz (und dem Grossteil Europas) wurde erst im 19. Jahrhundert tatsächlich und längerfristig vollzogen.

 

Folter als Auslaufmodell?

Nach dem Verhör, welches sich mehrere Tage, Wochen oder Monate hinziehen konnte, erschien die Angeklagte zum eigentlichen Prozess. Hier hatte sie die Möglichkeit, die aus dem Verhör und der Folter gewonnene Aussage zu widerrufen. Dies hiess aber in den meisten Fällen, dass die Angeklagte wieder dem ‚peinlichen Verhör‘ – wie man die Folter auch nannte – ausgesetzt wurde.

Es gab tatsächlich Fälle, in denen die Angeklagten trotz Folter nicht gestanden. Meistens wurde die Anklage daraufhin fallen gelassen. Was die Qualen der Folter bedeuten, kann man sich wohl nur schwer vorstellen. Wie die letzten Jahre gezeigt haben, wird die Folter in einigen Teilen der Welt tatsächlich noch heute als Mittel zur ‚Wahrheitsfindung‘ angewandt, obschon die Folter von den Vereinten Nationen geächtet wird. In der Menschenrechtserklärung der Vereinten Nationen, sowie in der Europäische Menschenrechtskonvention heisst es dazu:

„Niemand darf der Folter oder grausamer, unmenschlicher oder erniedrigender Behandlung oder Strafe unterworfen werden.“

Man kann nur hoffen, dass sich diese Ansicht doch noch in der ganzen Welt durchsetzen wird.

 

Lea Schieback, Mitglied der Company of Saynt George und Mitarbeiterin Museum Aargau

 

Gefängniswand Schloss Lenzburg

Gefängniswand Schloss Lenzburg