Die Company of Saynt George – Blick hinter die Kulissen

Die Company freut sich, vom 19. bis 22. Juli wieder auf der Lenzburg sein zu dürfen. Wir werden mit über 100 Personen vor Ort sein, mit Artillerie, Kanonen, Soldaten und Handwerkern. Auch dieses Mal versuchen wir, so authentisch wie möglich, das heisst auf der Basis von archäologischen Funden und wissenschaftlichen Untersuchungen, spätmittelalterliches Leben von 1470 – 1480 darzustellen. Das ist ein anspruchsvolles Ziel aber wir glauben, dass wir auf einem guten Weg sind und den Zuschauern einen Einblick in den spätmittelalterlichen Heeresalltag geben können.

 

Jenseits von Hollywood

Für unseren diesjährigen Besuch auf der Burg haben wir uns etwas sehr Spezielles vorgenommen: Im Rahmen der Ausstellung ‚Zuo Lentzburg gerichtet. Frauenschicksale im bernischen Aargau.‘, in der es um das Schicksal von Frauen vor Gericht im Ablauf von 3 Jahrhunderten geht, präsentieren wir einen spätmittelalterlichen Prozess. Es geht uns dabei nicht um eine dramaturgisch ausgefeilte Inszenierung mit Spezialeffekten und Kunstblut – das überlassen wir lieber Hollywood – sondern um die Darstellung eines tatsächlich geführten Gerichtsprozesses.

 

Historische Darstellung live demonstriert

Jeder, der sich mit Gerichtsakten aus dem 15. Jahrhundert auseinandergesetzt hat, weiss, dass die Beschreibungen solcher Prozesse äusserst mager sind. Es wird eigentlich nur erwähnt, wer warum vor Gericht steht, wer Gericht hält, wie das Urteil lautet und was das Ganze gekostet hat.

 

Auf Grund dessen könnte man noch nicht mal einen Kurzfilm drehen. Also haben wir beschlossen, in diesem Gerichtsprozess auf spezifische politische Begebenheit in Lenzburg zu dieser Zeit einzugehen, die Rolle der Frau ein wenig zu beleuchten und Prozessabläufe darzustellen. Neben dem Gericht, den Wachen und der Angeklagten war es uns von Vornherein auch ein Anliegen, einen Kommentator einzufügen, der die einzelnen Gerichtszenen erklärt und mit dem juristischen Verständnis von Heute vergleicht.

 

Ein harter Prozess

Es ist das Jahr 1470 und Jörg Friburger ist der Berner Landvogt auf der Lenzburg. Er hat den Auftrag, die Berner Rechtsoberhoheit endlich strenger durchzusetzen und den Widerstand der Honoratioren von Lenzburg zu brechen. Besonders deren ständige Weigerungen, das Berner Gesetz zu akzeptieren, ist ein steter Quell des Verdrusses im Kleinen Berner Rat.

 

Dann hört Jörg Friburger Gerüchte über eine gewisse Käthi Pfisterin, eine Bäckerswitwe in der Stadt. Es wird gesagt, dass sie eine Abtreibung vorgenommen habe. Das ist der Moment, auf den Friburger nur gewartet hat, um seine Macht – bzw. diejenige der Stadt Bern – zu demonstrieren! Sofort schickt er seine Soldaten, um Käthi Pfisterin zu verhaften und in die Burg bringen zu lassen. Diese Tat aber bringt Unruhe unter den Bürgern Lenzburgs. Besonders die Mitglieder des Rates, die ehemals für die Rechtssprechung vor Einmarsch der Berner zuständig waren, sind sehr verärgert.

 

Ein Heer von Soldaten

Friburger, etwas besorgt durch die Reaktionen, hat Verstärkung aus Bern angefordert. Ein Kontingent an Soldaten zusammen mit einer Kanone, ist nun aus Bern eingetroffen und auf der Lenzburg stationiert. Demonstrativ lässt Friburger die Kanone jeden Tag schiessen. Die Lenzburger Ratsherren weigerten sich zunächst, beim anstehenden Prozess gegen Käthi Pfister beizusitzen. Einige von ihnen sind aber nun dazu bereit und sitzen unter der Leitung des Berner Landvogts zu Gericht. Käthi Pfister hat mittlerweile unter der Folter ihre Tat zugegeben. Alles ist parat für den Prozess…

 

Lea Schieback, Mitglied der Company of Saynt George und Mitarbeiterin Museum Aargau

 

Lea Schieback im Zeltlager der Company of Saynt George

Lea Schieback im Zeltlager der Company of Saynt George