Alltagsverletzungen und Augenprobleme – Lazarett auf dem Legionärspfad Teil II

Aus Vindonissa stammt eine Grosszahl der heute bekannten, medizinischen Gerätschaften der römischen Zeit. Sie bezeugen die ungewöhnlich fortschrittliche Medizin in Legionslagern – erstaunliche Tatsachen, die wir mit dem neu eröffneten Lazarett auf dem Legionärspfad vermitteln wollen. Der Originalstandort des Lagerspitals – dem ersten Spital in der Schweiz – ist heute überbaut. Deshalb entschieden wir uns bei der 10. Station des Legionärspfads für ein Feldlazarettmit zwei Zelten. Doch was passierte damals hinter den Zeltwänden?

 

Feldlazarett auf dem Legionärspfad

Feldlazarett auf dem Legionärspfad

 

Augenoperationen und Schreie im Lazarett

Eine der meist verbreiteten Leiden im Legionslager waren Augenkrankheiten. Das kommt grossteils vom Aufenthalt in Räumen mit offenem Feuer. In Regionen, in denen heute noch mit offenem Feuer gekocht und geheizt wird, ist das nicht anders und Bindenhautentzündungen sind weit verbreitet. In Vindonissa wurde ein Augenarztstempel zur Markierung von Salben ausgegraben. Aber auch dem grauen Star wurde operativ begegnet: Mit einer spitzen Nadel stach der Arzt ins Auge und schob die getrübte Linse beiseite, sodass wieder Licht auf die Netzhaut fiel und der Patient besser sehen konnte.

 

Storax(-Harx)-Salbe, Weihrauchsalbe und Augenarztstempel

Storax(-Harx)-Salbe, Weihrauchsalbe und Augenarztstempel

 

Die Schmerzen der Patienten bei solchen Behandlungen ohne Anästhetikum können wir uns heute nur schwer ausmalen. Von Celsus ist uns überliefert, dass ein Arzt nicht nur schnell und sicher in der Führung des Skalpells sein musste, sondern auch die Schreie der Patienten zu ertragen hatte…

Kampf- und Alltagsverletzungen

Verletzungen sind in einem Legionslager mit bis zu 6000 Mann sicherlich an der Tagesordnung gewesen. Diese mussten nicht aus Kämpfen oder Überfällen im Umland erfolgen, sondern konnten sich bei Alltagsarbeiten zutragen. Legionäre errichteten ihre Gebäude selbst und bauten auch Strassen, Brücken, Aquädukte in der Provinz, und dabei, man kann es sich ja vorstellen, passierte sicherlich immer wieder etwas.

Den Römern war schon bewusst, dass Hygiene vor der Übertragung und Ausbreitung von Krankheiten schützt, weshalb die Installation eines weitläufigen Abwassersystems im Lager von grosser Wichtigkeit war. Ob auch Frauen im gleichen Lazarett behandelt wurden, ist uns nicht bekannt, dass Frauen im Lager anwesend waren, jedoch schon: Neben Gattinnen hoher Offiziere gab es zum Beispiel auch Schankwirtinnen.

 

Medizinische römische Arztinstrumente

Medizinische römische Arztinstrumente

 

Eine Ärtztin in Vindonissa

Gab es denn auch Ärztinnen? Dies können wir mit Sicherheit bejahen, dennauch in Vindonissa ist eine bezeugt: Ausserhalb des Legionslagers fand sich das Grab einer Frau, dessen Beigaben auf den Beruf als Ärztin schliessen lassen. Sie war aber vermutlich nur in der Siedlung ausserhalb des Legionslagers tätig. Die römische Gesellschaft pflegte eine recht strenge Rollenverteilung, was Geschlechter angeht und so ist eine Ärztin inmitten der rauhen Legionäre eher unwahrscheinlich.

 

Medicus-Figur

Medicus-Figur

 

Rund um das Feldlazarett

Noch mehr über die römische Medizin erfahren Sie direkt auf den neuen Spiel- und Themen-Touren des Legionärspfads. Ausserdem ist eine Begleitbroschüre zum Lazarett im Shop erhältlich. Sie ist das Resultat einer Lehrveranstaltung zum Thema römische Medizin der Vindonissa-Professur der Universität Basel in Kooperation mit dem Legionärspfad. Die Studierenden leisteten die Recherchearbeit und verfassten die meisten Texte.

 

Bleiben Sie gesund!

Valete und bis bald auf dem Legionärspfad!

 

Rahel Göldi, Leiterin Legionärspfad, und Carsten Stark, Mitarbeiter Legionärspfad